Bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems

von Prof. Dr. Dominik Wolf

Leukämien sind bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems. Leukämien sind in der Regel durch ein „zu viel” an fehlerhaften weißen Blutkörperchen (die in der Fachsprache Leukozyten genannt werden) im Knochenmark und häufig auch im Blut charakterisiert. Manchmal findet man aber im Blut auch zu wenig funktionstüchtige weiße Blutkörperchen, wobei auch hier im Knochenmark zu viele der erkrankten weißen Blutkörperchen nachgewiesen werden.
 
In Folge des ungebremsten Wachstums von Leukämiezellen kommt es zu einem Mangel an gesunden und funktionstüchtigen weißen Blutkörperchen. Dies führt zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Infekten, was neben dem Mangel an gesunden weißen Blutkörperchen auch dadurch begründet ist, dass Leukämiezellen die eigentlich ihnen zugedachten Aufgaben der Infektabwehr nicht mehr wahrnehmen können. Dies führt häufig dazu, dass nicht selten aufgrund gehäufter oder nicht abheilender, normalerweise „banaler” Infekte ein Blutbild angefertigt wird, wo dann die Veränderungen im Blut erkannt werden.

Es kommt zudem durch das Wuchern der Leukämiezellen (die auch Blasten genannt werden) im Knochenmark zur Verdrängung der anderen wichtigen Blutkomponenten. Wie das Unkraut im Garten die Tomaten verdrängt, verdrängen die Leukämiezellen die Vorläuferzellen der roten Blutzellen (diese sind für den Sauerstofftransport im Blut zuständig) und der Blutplättchen (die für die Blutstillung wichtig sind). Aus diesem Grund findet man häufig eine Blutarmut (Anämie), die sich durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit äußert und eine Verminderung der Blutpättchenzahlen (Thrombozytopenie), die dazu führt, dass Leukämiepatienten häufig eine Neigung zu Blutungen bemerken (z..B Nasenbluten, Blutergüsse bei leichten Stößen oder Bluten beim Zähneputzen).

Es ist aus den genannten Gründen enorm wichtig, dass Sie beim Verdacht auf eine Leukämie, einem/einer auf diese Erkrankungen spezialisierten Arzt/Ärztin (Hämatologe/Hämatologin) zugewiesen werden. Hier wird dann durch weitere Untersuchungen Ihres Blutes und des Knochenmakes die genaue Diagnose gestellt. Es gibt bei den Leukämien unterschiedliche Verlaufsformen, deren Behandlungsformen sich ebenfalls teilweise drastisch voneinander unterscheiden. Aus diesem Grund ist eine akkurate und genaue Diagnosestellung Basis einer optimalen Therapieempfehlung.

Verschiedene Leukämie-Typen

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Leukämietypen: die akute und die chronische Leukämie. Zudem unterscheidet man nach der Ursprungszelle myeloische und lymphatische Leukämien. Die akute Leukämie tritt schnell und heftig auf, während sich die chronische Leukämie langsam und schleichend entwickelt.
 Basis der Diagnose stellt die mikroskopische Untersuchung des Blutes und des Knochenmarkes dar. Dazu werden eine Vielzahl weiterer Untersuchungen durch Ihren behandelnden/e Hämatologen/in dazu führen, die exakte Diagnose zu stellen. Dies ist Voraussetzung für die Wahl der für den Patienten individuell maßgeschneiderten Therapie.